Digitales Radio fürs Wohnzimmer

Da mein 15 Jahre alter Kenwood-Tuner gerade den Geist aufgegeben hat, bin ich im Moment auf der Suche nach einem neuen Tuner für meine Stereoanlage. Schon länger interessiere ich mich auch für Möglichkeiten, zu Hause Radio in vernünftiger digitaler Qualität hören zu können.

Diesen Artikel schreibe ich hauptsächlich deshalb, weil ich mich gerade darüber geärgert habe, daß es trotz vorhandenem Programmangebot, sowie vorhandener Empfangstechnik kaum vernünftige digitale Receiver gibt, die sich sinnvoll in eine vorhandene Stereoanlage integrieren lassen.

Eine Bemerkung noch vorweg: Das digitale Radio kommt so sicher,

Die Frage ist nur, wann. Wir sind hier in Deutschland gerade wieder einmal dabei, eine wichtige technologische Entwicklung zu verschlafen. Digitales Radio wird weder von den Sendeanstalten noch von den Geräteherstellern besonders intensiv vermarktet. (Beispiele für Produkte, die dagegen total aggressiv beworben werden, sind: Autos, Mobilfunkverträge und DSL-Anschlüsse)


Zur Zeit gibt es in Deutschland die folgenden Systeme der digitalen Rundfunkübertragung (ich erhebe keinen Anspruch auf Aktualität oder Vollständigkeit):

1. Rundfunkempfang über Satellit

Das ist mit jedem vorhandenen Satellitenreceiver möglich. Allein über die Astra-Satelliten werden an die 300 Radioprogramme aus vielen Europäischen Ländern ausgestrahlt. Dazu gibt es auch Receiver wie z.B. das folgende Technisat-Gerät, die sich dank eines großzügigen Displays auch ohne eingeschalteten Fernseher bedienen lassen.

Satellitenreceiver DigiPlus STR 1

DigiPlus STR 1 (Quelle: Technisat)

Leider habe ich keine Satellitenempfangsanlage. Den hohen Verkabelungsaufwand (zu jedem Receiver ein Kabel, zu jedem Twinreceiver zwei Kabel usw.) habe ich bisher gescheut. Außerdem bin ich der Meinung, daß eine Satellitenschüssel noch immer jedes Haus optisch verschandelt.

Bei mir wäre es aus baulichen Gründen und aufgrund der niedrigen Elevation von nur 30° auch noch erforderlich, die Schüssel einige Meter vom Haus entfernt in den Garten zu setzen, damit die Sichtverbindung zum Satelliten möglich ist. Somit kommt diese Lösung für mich vorerst nicht in Frage.

2. Rundfunkempfang über DVB-T

Auch das ist vorgesehen und mit jedem DVB-T-Receiver möglich. Außer einigen Pilotversuchen in ausgewählten Großstädten, z.B. Berlin, gibt es aber derzeit kein Programmangebot.

3. DAB (Digital Audio Broadcast)

Das ist der neue Standard für digitales Radio, der irgendwann einmal das UKW-Radio ablösen soll. Andere Länder sind da bereits weiter als wir. So wurde z.B. in Holland bereits das UKW-Netz komplett abgeschaltet und durch DAB ersetzt, so wie bei uns das analoge Fernsehen abgeschaltet und durch DVB-T ersetzt wurde. (In einem Land, das flach ist, bekommt man mit wenigen Sendern eine 100-prozentige Abdeckung hin).

Auch in England soll DAB bereits so verbreitet sein wie etwa bei uns in Deutschland die Parkscheinautomaten. Das Sendernetz soll dort so eng sein, daß in den meisten Haushalten der Empfang mit Zimmerantenne möglich ist. Auch wurde dort nicht nur das vorhandene Programmangebot auf DAB abgebildet, sondern durch neue experimentierfreudige oder qualitativ hochwertige Sender erweitert. Kein Wunder, daß die meisten Hersteller von DAB-Endgeräten und Chipsätzen aus England kommen.

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf meiner DAB-Seite

4. DRM (Digital Radio Mondiale)

Diese Abkürzung steht hier nicht etwa für "Digital Rights Management", also einen weiteren Versuch der Musikindustrie, durch neue Kopierschutzverfahren ihre letzten Felle zu retten.

Wer schon mal im Deutschlandfunk morgens die Nachrichten gehört hat, kennt den folgenden Satz: "Die Bundestagsdebatte übertragen wir ab 9 Uhr auf der digitalen Mittelwelle", und hat sich dann vielleicht gewundert, was denn bitte eine digitale Mittelwelle ist.

Digital Radio Mondiale ist ein weltweiter offener Standard für die Übertragung von digitalem Rundfunk über die bisherigen Lang- Mittel- und Kurzwellenfrequenzen, und soll eine "nahezu UKW-Qualität" erreichen. Also offensichtlich mehr etwas für Sprachsendungen, als für hochwertige Musikprogramme.

Der Vorteil soll in den von Lang- Mittel- und Kurzwelle bekannten hohen Reichweiten bei gleichzeitig kleineren Sendeleistungen begründet liegen.

Weitere Informationen auf meiner DRM-Seite

5. Internetradio

Weltweit übertragen tausende von Radiostationen ihr Programm auch über das Internet. Seitdem ich nun auch Besitzer eines DSL-Anschlusses mit Flatrate bin, tut sich hier für mich eine echte Alternative zum musikalischen und inhaltlichen Einheitsgedudel unserer heimischen Radiosender auf.

Die Übertragungsqualitäten sind sehr unterschiedlich, aber teilweise auch recht hoch. Internetradio kann mit dem PC empfangen werden, aber auch mit Standalone-Geräten, die sich über den WLAN-Router direkt mit dem Internet verbinden und keinen PC benötigen.

Weitere Informationen auf meiner WLAN-Radioseite.


Der ideale Receiver

Meine Forderungen an einen neuen Tuner / Receiver, den ich mir kaufen würde, wären also wie folgt:

Natürlich gibt es so ein Gerät nicht und wird es vermutlich auch nie geben. Am ehesten könnte ich auf DRM verzichten, da hier eine eigene Antennentechnik benötigt wird. Bleiben also noch UKW, DAB und WLAN, und nach heutigem Stand muß man dafür mindestens zwei getrennte Geräte kaufen.


Module und Chipsätze

Ich möchte einige Hersteller und Module vorstellen, auf die ich bei meiner Suche nach einem DAB Tuner gestoßen bin.

Von der englischen(!) Firma Frontier Silicon stammt das Modul Venice 6:

Receivermodul Venice 6

Venice 6 Receivermodul (Quelle: Frontier Silicon)


Von der ebenfalls englischen Firma Radioscape kommt das Modul RS500.

 

RS500 Receivermodul

RS500 Receivermodul (Quelle: Radioscape)


Die taiwanesische Firma GyroSignal stellt verschiedene Module her, z.B das Gyro-1122 mit UKW-RDS, DAB Band II und L-Band, CD-Control.

Receivermodul Gyro-1122

Gyro-1122 (Quelle: Gyrosignal)


Neuigkeiten zum Thema seit Erscheinen dieses Artikels gibt es hier.

 

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