Verbindungsdaten und Gebühren erfassen mit DeTeWe OpenCom 100-130

Verbindungs- und Gebührendatenerfassung mit den DeTeWe Telefonanlagen OpenCom 100 bis 130
Dieser Artikel beschreibt, wie man mit den DeTeWe OpenCom Anlagen der 100er Serie die Verbindungsdaten (Gesprächsdaten / Gebührendaten) erfassen und aufzeichnen kann.
Die Telefonanlagen der Serie OpenCom gab es als 19-Zoll Rackversion und in der Ausführung für Wandmontage. Die Anlagen können die auflaufenden Verbindungsdaten zwar ausgeben, aber nicht selber speichern, da der interne Speicher nicht groß genug ist. Die vorhandenen internen LOG-Dateien sind nur für die Fehlerprotokollierung und für besondere Ereignisse gedacht.
Da das Verfahren zum Aufzeichnen der Verbindungsdaten etwas umständlich ist, und die Informationen in den Anleitungen und Hilfetexten von DeTeWe nur sehr sparsam und gut versteckt sind, gebe ich hier diese Anleitung wieder. Alle Angaben habe ich selbst herausgefunden und werden ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit weitergegeben.
Die Ausgabe der Daten
Die Ausgabe der Verbindungsdaten erfolgt bei den OpenCom-Anlagen über den COM-Anschluß. Dieser befindet sich bei den Rackversionen auf der Frontplatte, und bei den Wandversionen hinter der Abdeckung. Der COM-Anschluß ist ein gewöhnlicher serieller RS-232-Port, der entweder für die Konfiguration der Anlage per DFÜ-Einwahl vom PC aus benutzt werden kann, oder aber für die Ausgabe der Verbindungsdaten.
Wird der Port für die Datenausgabe genutzt, ist eine Anlagenkonfiguration über denselben nicht mehr möglich, sondern nur noch über den LAN-Anschluß. Die Anlage sollte m.E. sowieso nur über den LAN-Anschluß konfiguriert werden, da das von der Übertragunsgeschwindigkeit her wesentlich schneller ist, und außerdem von jedem Rechner im Netz aus möglich ist.
Anlagenkonfiguration über LAN
Dazu muß die Anlage an der LAN-Buchse durch ein gewöhnliches Patchkabel mit dem Netzwerk verbunden sein. Wenn Sie einen DHCP/DNS-Server haben, wird der Anlage automatisch eine IP-Adresse zugewiesen. In diesem Fall müssen sie sie über ihren Hostnamen ansprechen. Dieser wird im Konfigurationsmenü eingestellt. Nachteil: Wenn Sie den Hostnamen oder die IP-Adresse nicht wissen, kommen Sie erst gar nicht ins Konfigurationsmenü.
Besser ist es, der Anlage eine IP-Adresse fest zuzuweisen. Das geht am einfachsten und sichersten über die Kennziffernprozedur von einem der Telefonapparate aus (siehe Bedienungsanleitung). Anschließend müssen Sie nur noch die zugewiesene IP-Adresse in die Adresszeile Ihres Internetbrowsers eingeben, um das Konfigurationsmenü aufzurufen.
Falls Ihr Internetzugang über einen Proxy-Server funktioniert, müssen Sie in Ihrem Browser unter "Verbindungseinstellungen" den Punkt "Proxyserver für lokale Adressen umgehen" aktivieren, und die IP-Adresse der Anlage in das Feld "Für Adressen, die wie folgt beginnen, keinen Proxyserver verwenden" eintragen.
Einstellungen in der Anlagenkonfiguration
Diese Beschreibung geht von der Software-Version Release 5.15 oder höher aus.
1. Stellen Sie im Menü PBX-Konfiguration -> Anschlüsse -> COM den Anschlußtyp auf "Verbindungsdaten" um. Damit wird die Voraussetzung dafür geschaffen, daß über diesen Anschluß die Verbindungsdaten ausgegeben werden können.
2. Aktivieren Sie im Menü Benutzergruppen->Sonstiges für jede Benutzergruppe die Optionen "Verbindungsdaten kommend / gehend senden".
3. Im Menü PBX-Konfiguration -> System -> Einstellungen sollte der Punkt "Verbindungsdaten wie Release 2" deaktiviert sein. Damit erhält man mehr Details zu den einzelnen Datensätzen.
Nachdem diese Einstellungen getroffen wurden, wird jetzt für jedes externe Gespräch ein Datensatz am COM-Anschluß ausgegeben.
In der Software-Version 6 stehen im Menü für die Benutzergruppe noch detailliertere Optionen zur Verfügung:
- kommende Verbindungen an COM / gehende Verbindungen an COM
- kommende Verbindungen erfassen
- gehende Verbindungen erfassen
- Anzahl der unterdrückten Ziffern
Aktivieren Sie die Optionen entsprechend.
Der serielle COM-Anschluß
Der COM-Anschluß arbeitet mit folgender Einstellung:
- Baudrate: 9600
- Datenbits: 8
- Stopbits: 1
- Parity: None
- Handshake: Hardware (RTS/CTS)
Für den Anschluß an einen PC gibt es im Lieferumfang der Anlage ein ca. 3 m langes Datenkabel, welches wie folgt belegt ist:
Anschluß PC
|
Anschluß OpenCom
|
9-polige
Sub-D-Kupplung |
RJ45,
8-poliger Westernstecker |
1
|
NC
|
2
|
5
|
3
|
1
|
4
|
3
|
5
|
8
|
6
|
NC
|
7
|
7
|
8
|
4
|
9
|
NC
|
Anschlußtester für RS232
Falls die Übermittlung der Daten nicht funktioniert, kann man mit so einem selbstgebastelten Tester prüfen, ob die Daten von der Anlage zumindest ausgegeben werden. Diesen Tester setze ich für alle möglichen RS-232-Verbindungen immer wieder gerne ein:

Schaltbild RS-232-Tester
R1, R2 = 4,7 kOhm
D1, D2 = 1N4148
D3, D4 = LED, möglichst Low-Current oder superhelle Typen.
Mit den angegebenen Widerständen werden die Datenleitungen mit max. 2,7 mA belastet. D1, D2 dienen zum Verpolungsschutz der Leds, da diese nur wenige V in Sperrrichtung vertragen. RS232 wechselt zwischen +15V und -15V. Für die Leds D3, D4 habe ich zwei superhelle rote Leds aus einer ausgeschlachteten Lichterkette genommen. Normale Leds werden bei dem geringen Strom nur sehr dunkel, aber noch sichtbar leuchten.
D1 flackert, wenn der PC sendet. D2 flackert, wenn das angeschlossenen Gerät (OpenCom) sendet.

Ansicht RS-232-Tester von oben

Ansicht RS-232-Tester von unten
Der Adapter wird einfach dazwischengesteckt und funktioniert für Protokolle ohne Handshake. Wenn die übrigen Pins 1, 4, 6 bis 9 auch noch durchverbunden werden, ist er universell verwendbar.
Die Datenaufzeichnung
Die Datensätze werden jeweils beim Beenden eines Gesprächs ohne Verzögerung am COM-Anschluß ausgegeben. Es wird also ein Aufzeichnungsgerät benötigt, welches im Prinzip rund um die Uhr serielle Daten entgegennehmen und speichern kann.
Für die Datenaufzeichnung und -auswertung gibt es von DeTeWe die Software OpenCount, die mit einer separat zu erwerbenden Hardware-Speicherbox zusammenarbeitet, welche ca. 5000 Datensätze aufnehmen kann. Dieses Geld wollen wir natürlich sparen und bauen uns unsere eigene Aufzeichnung selbst. Dafür gibt es unter anderem die folgenden Möglichkeiten:
Die zunächst einfachste Möglichkeit wäre, einen alten, ausrangierten PC hinzustellen, der mit DOS gebootet wird. Dazu schreibt man einen Fünfzeiler im allzeit bewährten QBasic und läßt das Ganze mitlaufen. Ab und zu holt man mit einer Diskette die Daten ab.
Wesentlich eleganter und energiesparender ist es, einen Server zu nutzen, der sowieso schon 24 Stunden am Tag läuft. Die meisten Server haben wahrscheinlich noch einen COM-Port frei. Unter Windows-Server könnte man ein DOS-Fenster aufmachen und mit einem Befehl wie "COPY COM1 LOGFILE.TXT" die Aufzeichnung starten. Vorher noch mit MODE COM1 die richtigen Schnittstellenparameter einstellen.
Auf einem LINUX-Server könnte man in einer Shell mit einem ähnlichen Copy-Befehl gleiches bewirken. Für die Einstellung der Schnittstellenparameter gibt es den Befehl SETSERIAL, der wie die meisten Linux-Befehle ca. 37 Optionen hat, die allesamt nur kryptisch erläutert sind. Was man genau tun muß, um die Schnittstelle richtig einzustellen, konnte ich nicht ergründen. Dafür gibt es aber ein kleines, praktisches Terminalprogramm namens MINICOM, welches sich im Lieferumfang der meisten Linux-Distributionen befindet. Das Programm läuft in der Shell im Textmodus und ist menügesteuert.
Die Einstellung der Schnittstellenparameter geht problemlos; anschließend sieht man am Bildschirm bereits die auflaufenden Datensätze. Das Programm hat einen Capture-Modus, mit dem alle Daten automatisch in einer Datei gespeichert werden. Als Dateiname wird defaultmäßig MINICOM.CAP vorgeschlagen. Die Capture-Datei wird im root-Verzeichnis abgelegt. Schließlich habe ich noch einen Cron-Job eingegeben, der alle 24 Stunden einmal die aktuelle MINICOM.CAP in ein Verzeichnis kopiert, auf das ich vom Arbeitsplatzrechner aus zugreifen kann.
Das Programm MINICOM hat sich als sehr stabil und dauerlauffähig erwiesen.
Das Datenformat
Die aufgezeichnete Datei hat in etwa folgendes Aussehen. Die ersten 3 Zeilen habe ich zur Spaltennumerierung eingefügt und gehören nicht dazu. Die Rufnummern habe ich ebenfalls mit "xxxx" unkenntlich gemacht. Normalerweise werden alle Rufnummern in voller Länge ausgegeben.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1234567890123456789012345678901234567890123456789012345678901234567890123456789012345678901234567890123456
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
55 9xxx 020304 162346 000019 0000,122 000002 03029xxxxxx 1 00 0 99 00
21 9xxx 020304 162521 000007 0000,000 000000 05069xxxx 0 00 0 00 00
27 9xxx 020304 162656 000358 0000,000 000000 01910xxxx 1 00 0 01 00
27 9xxx 020304 163431 000022 0000,000 000000 01910xxxx 1 00 0 01 00
55 9xxx 020304 164234 000029 0000,000 000000 1 00 1 00 00
70 9xxx 020304 165337 000106 0000,000 000000 019xxxx 1 00 0 01 00
55 9xxx 020304 165828 000037 0000,000 000000 07181xxxxxx 1 00 1 00 00
70 9xxx 020304 165558 002130 0000,000 000000 019xxxx 1 00 0 01 00
55 9xxx 020304 180827 000044 0000,000 000000 1 00 1 00 00
55 9xxx 020304 200307 000042 0000,000 000000 042619xxxx 1 00 1 00 00
55 9xxx 020304 220104 000039 0000,000 000000 1 00 1 00 00
27 9xxx 030304 075642 000257 0000,000 000000 01910xxxx 1 00 0 01 00
27 9xxx 030304 080550 000557 0000,000 000000 01910xxxx 1 00 0 01 00
55 9xxx 030304 081214 000041 0000,000 000000 07181xxxxxxx 1 00 1 00 00
27 9xxx 030304 081314 000658 0000,000 000000 01910xxxx 1 00 0 01 00
55 9xxx 030304 082826 000029 0000,122 000002 00454582xxxx 1 00 0 99 00
55 9xxx 030304 082929 000042 0000,184 000003 0718198xxxx 1 00 0 99 00
55 9xxx 030304 084303 000023 0000,122 000002 001704864xxxx 1 00 0 99 00
21 9xxx 030304 085330 000330 0000,000 000000 071819xxxx 1 00 1 00 00
55 9xxx 030304 090625 000104 0000,000 000000 0235193xxxx 1 00 1 00 00
55 9xxx 030304 091330 000019 0000,000 000000 0302936xxxx 1 00 1 00 00
20 9xxx 030304 091926 000030 0000,000 000000 08195xxxx 1 00 1 00 00
55 9xxx 030304 093638 000101 0000,000 000000 1 00 1 00 00
55 9xxx 030304 093832 000032 0000,000 000000 0511823xxxx 1 00 1 99 00
55 9xxx 030304 094431 000044 0000,184 000003 08195xxxx 1 00 0 99 00
20 9xxx 030304 094936 000028 0000,000 000000 08195xxxx 1 00 1 00 00
55 9xxx 030304 095106 000041 0000,184 000003 08195xxxx 1 00 0 99 00
55 9xxx 030304 095323 000028 0000,122 000002 0235193xxxx 1 00 0 99 00
20 9xxx 030304 100320 000044 0000,000 000000 0512193xxxx 1 00 1 00 02
26 9xxx 030304 100313 000114 0000,061 000001 051213xxxx 1 00 0 00 00
27 9xxx 030304 100513 000133 0000,000 000000 019xxxx 1 00 0 01 00
20 9xxx 030304 100923 000638 0000,000 000000 0911206xxxx 1 00 1 00 02
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Für jedes Gespräch wird ein Datensatz ausgegeben. Jeder Datensatz entspricht genau einer Zeile. Ein Datensatz besteht aus verschiedenen Feldern konstanter Breite, die durch ein Leerzeichen voneinander abgegrenzt sind.
- In Spalte 1-2 ist die Durchwahlnummer der Nebenstelle angegeben, von
der aus telefoniert wurde, bzw. die angerufen wurde. Bei manchen Einträgen
ist das Feld auch leer. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Durchwahlnummer
0 von außen gerufen wurde, oder wenn bei einem Ruf von außen
keine Verbindung zustande gekommen ist.
Die Spalten 3-5 sind in diesem Beispiel leer. Vermutlich können Durchwahlnummern mit bis zu 5 Stellen vergeben werden. - Spalte 7-10 enthält die eigene Rufnummer ohne nachfolgende 0 oder Durchwahlnummer. Die Anlage kann mit mehreren Amtsleitungen arbeiten, die unterschiedliche Rufnummern besitzen können. Diese werden auch als Bündel oder Leitweg bezeichnet, was immer auch genau darunter zu verstehen sein mag. Diese Feld kann bis zu 8 Stellen breit sein.
- Spalten 16-21 enthalten das Gesprächsdatum im Format <ttmmjj>
- Spalten 23-28 enthalten die Zeit des Gesprächsbeginns im Format <hhmmss>
- Spalte 30-35 ist die Gesprächsdauer im Format <hhmmss>.
- Spalte 37-44 enthält die Gesprächsgebühr. Diese ergibt sich aus den von der Telekom übermittelten Gebühreneinheiten multipliziert mit dem in der Konfiguration eingestellten Gebührenmultiplikator. Bei allen kommenden Rufen (außer bei R-Gesprächen), bei erfolglosen Rufen sowie bei gebührenfreien Rufnummern ist der Betrag folgerichtig Null.
- Spalte 46-51 enthält die Anzahl der Gebühreneinheiten mit 6-stelliger Angabe.
- Spalte 53 bis ?? enthält die Rufnummer, die gewählt wurde oder angerufen hat. Da die meisten Rufnummern üblicherweise nicht länger als ca. 15 Stellen sind, ist anzunehmen, daß bis zur Spalte 77 noch weitere Felder möglich sind, die bei dieser Konfiguration aber nicht genutzt werden.
- Die Spalte 79 beinhaltet einen Binärwert. Eine 1 steht für eine erfolgreiche Verbindung, eine 0 für eine nicht zustande gekommene Verbindung, z.B. bei besetzt.
- Die Spalten 81-82 enthalten immer 00. Hier wird vermutlich eine bei dieser Anlage ungenutzte Option angezeigt.
- Die Spalte 84 enthält ebenfalls einen Binärwert. Eine 1 steht für kommenden Ruf, eine 0 für gehenden Ruf.
- Die Spalten 86-87 enthalten eine zweistellige Kennung. Hier tauchen
die Werte 00, 01 und 99 auf.
00 steht für Sprachverbindung,
01 steht für Datenverbindung (ISDN-Karte)
99 steht für eine Faxverbindung (evtl. auch analoge Modemverbindung) - Die Spalten 89-90 enthalten eine zweistellige Kennung. Bei Gesprächen
ohne Besonderheiten ist sie 00. Wurde das Gespräch intern weitervermittelt,
steht hier 02. Bei Gesprächen, die von einem anderen Apparat "gezogen" wurden,
erscheint 05.
- Die Spalten 92-106 sind mit Leerzeichen aufgefüllt. Es ist stark anzunehmen, daß hier noch weitere Felder verborgen liegen, wie z.B Projektkennziffer oder eine Kennung für Privat- oder Dienstgespräch.
Hinweis
Wenn Sie die Verbindungsdaten Ihrer Telefonanlage erfassen, sind Sie verpflichtet, die Teilnehmer davon in Kenntnis zu setzen. Weiter müssen Sie mitteilen, zu welchem Zweck die Daten erhoben werden, und wie lange die Daten vorgehalten werden.
Auswertungssoftware
Ich habe eine Software geschrieben, mit der die aufgezeichneten Daten bequem ausgewertet werden können. Das Programm listet alle Gespräche auf, sortiert nach Teilnehmer, kommenden und gehenden Rufen. Anhand der Vorwahlen werden die Ortsnetze der Gesprächspartner ermittelt.

Hauptfenster der Auswertesoftware

Listendruck: Die angezeigten Daten können exportiert und gedruckt werden
Auf Anfrage stelle ich die Software gern kostenlos zur verfügung.