Abenteuer Anbieterwechsel

Die Ausgangssituation

Bisher hatte ich einen analogen Telefonanschluß bei der Telekom und ein 56k Modem für den Internetzugang. Das war zwar für den Internetzugang oft recht lahm, aber bei den Call-by-Call Einwahltarifen von zuletzt nur noch ca. 0,3 ct pro Minute war mir das ziemlich egal.

Meine Telefonrechnung lag so zwischen 25 und 30 Euro, Tendenz in letzter Zeit mehr Richtung 30 Euro. Damit war ich im Großen und Ganzen zufrieden, trotzdem habe ich mich seit einiger Zeit nach einem DSL-Anbieter umgesehen.

Flatrate?

Bei der Telekom hieß das entsprechende Produkt Call&Surf Basic für 34,90 Euro und enthielt 120 Freiminuten fürs Telefon und DSL mit 1000 MB Freivolumen. Das wäre völlig OK gewesen; kein normaler Privatanwender braucht zu Hause eine Flatrate fürs Internet. Eine Flatrate ist zwar "nice to have", aber die 1000 MB hätten mir vollkommen gereicht. Eine Flatrate fürs Internet ist eine Leistung, die ich zwar bezahle, aber nie voll ausschöpfen kann.

Anders sieht es mit den 120 Freiminuten fürs Telefon aus. Die basieren nämlich auf dem Calltime120-Tarif, und den hat man uns vor ein paar Jahren schon einmal angeboten. Damals habe ich meine Rechnungen durchgesehen und festgestellt, daß wir mal über und mal unter 120 Minuten lagen. Also nichts für uns, außerdem habe ich keine Lust, meine Ferngespräche immer an den Monatsanfang zu legen, und nie zu wissen, wann die 120 Minuten aufgebraucht sind.

Eine Telefonflatrate wäre also für mich das eigentlich interessante an einem Tarifwechsel gewesen. Der nächsthöhere Tarif der Telekom kostete 49,90 Euro inklusive Telefonflatrate, aber warum soll ich so viel mehr bezahlen als bisher?

Telekom?

"Mit der Telekom kann man im Moment gut verhandeln, die kämpfen um jeden Kunden!" Das sagte ein Arbeitskollege zu mir. Also hin zum T-Punkt und hoffen, daß ein Berater für mich Zeit hat. Zweimal bin ich insgesamt dort vorstellig geworden, einmal habe die Tarifhotline angerufen und ziemlich lange diskutiert. Die Aussage war jedesmal "es tut uns leid, wir können nur das anbieten, was im Prospekt steht". Von den für Sommer 2007 angekündigten Billigmarken der Telekom wußte man dort angeblich auch nichts.

Auch die kürzliche Preissenkung des Comfort-Tarifs von 49,90 Euro auf 44,90 Euro oder die Aufhebung des 1000 MB Limits beim Basic-Tarif reißt da nichts mehr heraus.

Also war es nun an der Zeit, den Schritt durchzuführen, vor dem ich mich bisher immer gescheut habe: Den Wechsel zu einem anderen Anbieter.

VoIP?

Anbieter für eine Telefonflatrate gibt es reichlich. Hier muß man unterscheiden zwischen echten Telefonanbietern, bei denen man seinen herkömmlichen Telefonanschluß behält, und Anbietern, meist bekannte Internet- oder Mobilfunkprovider, die einem eine Telefonverbindung über die DSL-Leitung vorgaukeln wollen, sogenanntes Voice over IP. Ein normaler Telefonanschluß ist dann nicht mehr vorhanden. Die Telefonleitung dient nur noch zur Übertragung des DSL-Signals, dessen Frequenzspektrum weit oberhalb des hörbaren Frequenzbereichs liegt.

Egal wen man hört, seien es die Arbeitskollegen, die schon VoiP haben, oder die Leute, die man morgens beim Bäcker trifft, jeder meckert über VoIP. Hauptkritikpunkte sind die häufigen Fehlschaltungen oder solche Gespräche, bei dem es beim Angerufenen zwar klingelt, aber er den Anrufer dann nicht hören kann. Auch wenn ich telefoniere und ständig meine eigene Stimme als Hintergrundecho höre, weiß ich, der Gesprächspartner hat VoIP.

Also Hände weg von VoIP! Somit schränkt sich die Anbieterauswahl auch schnell sehr stark ein. Man muß nur das Kleingedruckte sehr genau lesen. Oft wird z.B. "zwei Leitungen und drei Rufnummern" angeboten, das riecht dann zwar nach ISDN, ist aber oft nur VoIP.

Arcor

Kurz gesagt, ich habe mich dann u.a. aufgrund positiver Empfehlungen von Bekannten für Arcor entschieden. Nach der letzten Preissenkung bekomme ich für 34,90 Euro DSL2000 mit Internetflatrate sowie einen echten ISDN-Telefonanschluß mit Telefonflatrate für das deutsche Festnetz, obwohl das mit dem ISDN-Anschluß so nicht explizit in der Werbung steht. Das mußte ich erst hinterfragen. Überhaupt kommt man ja bei Arcor auf der Homepage kaum an die Angebotsdetails dran, und wenn überhaupt nur nach Eingabe der persönlichen Daten, angeblich zur Überprüfung der Anschlußverfügbarkeit.

Für gerade mal 5 Euro mehr als bisher bekomme ich also eine zweite Telefonleitung, einen DSL-Anschluß, kann unbegrenzt lange Telefonieren und im Internet unterwegs sein, und das auch noch gleichzeitig. Hinzufügen muß man noch, daß die Arcor-Flatrate für das gesamte deutsche Festnetz gilt, im Gegensatz zu Anbietern, deren Flatrates nur für das gesamte deutsche Telekom-Festnetz gilt. Dieser feine Unterschied bedeutet in der Praxis, daß bei der Arcor keine zusätzliche Gebühren für sogenannte "Verbindungen in Netze anderer Anbieter" anfallen, falls man jemand anruft, der seinen Festnetzanschluß nicht bei der Telekom hat. Sogar bei der Telekom habe ich bis jetzt solche Sondergebühren zahlen müssen.

Da ich einen Vertrag über DSL 2000 habe, an meinem Anschluß aber nur 1000er DSL möglich ist, spekuliere ich noch auf einen Preisnachlass, den die Arcor Gerüchten zu Folge in diesen Fällen gewährt. Dann würde ich noch nicht einmal mehr bezahlen als bisher.

Nachtrag

Inzwischen zahle ich tatsächlich nur noch 29,90 im Monat. Die 5 Euro Nachlass wurden von der Arcor ganz automatisch gewährt, ohne weiteres Zutun.

Die Umstellung

Die Kündigung bei der Telekom lief reibungslos. Mein Umschalttermin wurde Aufgrund des Telekom-Streiks dreimal verschoben. Die Gerätschaften wurden mir rechtzeitig zugesendet und konnten am Tag der Umschaltung problemlos in Betrieb genommen werden.

Ich bekam dann noch einen Anruf von der Telekom, um die Gründe meiner Kündigung zu hinterfragen. Ich habe meine Beweggründe genau so geschildert, wie es hier nachzulesen ist. Das Gespräch dauerte recht lange, und am Ende kam letzlich wieder die Aussage, daß man da leider nichts machen kann.

Inzwischen gibt es auch die erste Billigmarke der Telekom, "Congsta" oder so ähnlich; aber die haben ja noch nicht mal eine funktionierende Internetseite...

Der Service

Den Internetanschluß konnte ich nicht sofort in Betrieb nehmen, da meine Internetzugangsdaten per Brief ca. eine Woche verspätet zugeschickt wurden. Ich habe deshalb von meinem Arbeitsplatz aus eine Anfrage in das Serviceformular eingetragen, mit der bitte um telefonische Mitteilung der Zugangsdaten. Ich wurde prompt am selben Tag zurückgerufen und erhielt meine vorläufigen Zugangsdaten.

Ein Anruf bei der Servicehotline kostet dagegen 0,49 Euro pro Minute, was die meisten Kunden davon abhalten wird, da jemals anzurufen. (Der Anruf bei der Infohotline für Neukunden ist dagegen natürlich kostenlos.)

Bleibt also die Serviceanfrage per Internet. Ich habe da z.B. mal die Frage eingegeben, wo man bei der EasyBox A 300 WLAN die Zeit einstellen kann, nach der eine unbenutzte Internetverbindung automatisch getrennt wird. Die Internetverbindung wird automatisch aufgebaut, sobald ein Programm danach verlangt. Sie bleibt dann aber dauerhaft bestehen, selbst nach Abschalten des Rechners, was bei mir immer ein ungutes Gefühl hervorruft.

Als Antwort steht bis heute dort folgender Bearbeitungsstand:

Ihre Anfrage ist am 15.07.2007 bei uns eingegangen.

Ihre Anfrage ist bearbeitet.

Ihre Anfrage wird zur Zeit abschließend bearbeitet. Sie erhalten in den nächsten 48 Stunden eine Antwort (16.07.2007/00:00:00).

Warum soll ich die Antwort erst nach 48 Stunden erhalten, wenn sie doch schon abschließend bearbeitet wurde? Auf die Antwort warte ich übrigens noch bis heute.

Die Gerätschaften

Hier noch einige Informationen und Tips zu den Arcor-Gerätschaften, auch Endgeräte genannt, die natürlich auch nirgendswo schriftlich zu finden sind.

Die Arcor Starterbox DSL

Arcor Starterbox DSL

Dieses Gerät wird an die bestehende Telefondose angeschlossen und vereint in sich das NTBA, den DSL-Splitter und eine kleine ISDN-Telefonanlage. Man kann 3 analoge Telefone oder Faxgeräte anschließen, oder ein ISDN-Telefon bzw. Telefonanlage, da der interne S0-Bus herausgeführt ist. Die Starterbox DSL hat ein eingebautes Schaltnetzteil und verbraucht rund um die Uhr ca. 2 bis 3 Watt, was ich noch akzeptabel finde. Mein Nachbar hat eine Waschmaschine, die 6 Watt verbraucht, wenn sie ausgeschaltet (!) ist.

Die Arcor EasyBox A300 WLAN

Arcor EasyBox A300 WLAN

Das ist mein DSL-Modem und Router mit 4 LAN-Anschlüssen und WLAN. Die EasyBox A300 WLAN kommt mit einem fetten 12V / 1,2 A Steckernetzteil und verbraucht (ohne DSL, WLAN und angeschlossene Rechner) tatsächlich bereits 450 mA. Mitsamt Steckernetzteil beträgt der Verbrauch ca. 17 Watt, was mir aber egal ist, da die Box über den Hauptschalter meines Schreibtisches läuft und bei Nichtbenutzung komplett aus ist.

Die Probleme mit der Arcor Starterbox

Die Konfiguration der EasyBox A300 WLAN

Die Einrichtung der EasyBox A300 verlief dank des verständlichen Handbuchs soweit problemlos. Ohne Internetzugangsdaten läuft jedoch nichts, siehe oben. Der mitgelieferte Modeminstallationscode ist wie im Handbuch beschrieben tatsächlich nutzlos.

Will man den Aufruf bestimmter Internetseiten über die Firewallfunktion der EasyBox A300 verhindern, muß man diese bei URL-Blocking eintragen:

Screenshot URL-Blocking

Gleichzeitig muß man aber auch unter "Zugangskontrolle" eine Regel erstellen, wo man dann URL-Blocking einträgt. Auf dieser Seite gibt es ein paar Ungereimtheiten:

Screenshot Zugangskontrolle

Bei "IP-Adresse des Clients" will man natürlich alle möglichen Clients erfassen. Die höchste IP-Adresse, die eingetragen werden kann, ist aber 254 und nicht 255.

Im Bereich Dienste sind alle Dienste anzukreuzen, die blockiert werden sollen. Kreuzt man hier WWW an (blockieren), und läßt WWW mit URL-Blockierung frei (nicht blockieren), so läßt sich keine einzige Internetseite mehr aufrufen. Die Markierungen müssen wie oben abgebildet gesetzt werden.

WWW darf nicht markiert sein, WWW mit URL-Blockierung muß markiert sein (Dienst blockieren!), obwohl die Box ja genau das machen soll.