Festplattenrecorder DMR-EX77 von Panasonic - ein etwas anderer Testbericht

Dieses Gerät besitze ich seit Anfang 2008. Fälschlicherweise werden solche Geräte in den Prospekten und Internetseiten der Hersteller immer als "DVD-Recorder" bezeichnet. Es ist aber in der Hauptfunktion ein digitaler Videorecorder, der Fernsehprogramme auf der eingebauten Festplatte aufnehmen kann. Zusätzlich können DVDs abgespielt werden, und ggf. aufgenommene Sendungen von der Festplatte auf beschreibbare DVDs kopiert werden.

Panasonic DMR-EX77

Zusätzlich hat der DMR-EX77 ein DVBT-Empfangsteil, was mir wichtig war, da ich nach der Kündigung des Kabelanschlusses auf DVBT umgestellt habe. Somit erfüllt das Gerät folgende Funktionen:

was zu einer ganz erheblichen Reduzierung der Geräteanzahl und Fernbedienungen in meinem Wohnzimmer beigetragen hat.

 

Panasonic DMR-EX77

Bedienfeld mit Anschlüssen und SD-Kartenschacht

Panasonic DMR-EX77

Zum Ausfahren der DVD-Lade klappt die Frontblende nach unten

Die Panasonic Festplattenrecorder wären die besten und auch am einfachsten zu bedienen. Das erzählt einem jedenfalls der Fachhandel. Ich möchte hier mal ein paar zusätzliche Infos geben, im positiven Sinne wie im negativen Sinne, und zwar solche, die in keinem Prospekt stehen, und auch in der Bedienungsanleitung wenn überhaupt nur im letzen Winkel vom Kleingedruckten stehen.

Also los gehts:

Die Bedienungsanleitung ist eine Katastrophe

Anstatt einfacher schlüssiger Anweisungen, z.B. wie zeitversetztes Fernsehen funktioniert, erstmal nur seitenlange Tabellen, welche DVD mit welchem Format und wie lange mit welcher Qualität und welche Funktion nicht wenn bla bla bla ...

Anschließend dann seitenlange Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die aber so umständlich sind, daß man am Ende gar nicht mehr weiß, was da eigentlich passiert.

Das Setupmenü ist unglaublich groß und steht in keinem Verhältnis zu den tatsächlich Fähigkeiten des Geräts

Das Setupmenü ist eine eigene Wissenschaft für sich, und bis man eine bestimmte Einstellung gefunden hat, dauert es ewig. Immer mit der Bedienungsanleitung bei der Hand, aber da steht dann auch nicht, was genau die eine oder andere Einstellung bewirkt. Ausprobieren geht hier über Studieren.

Das Gerät hat Probleme mit den Bildseitenverhältnissen

Zuvor hatte ich den Recorder an einer alten 4:3 Röhre, da gab es keine Probleme, oder sie sind zumindest nicht aufgefallen. Seit Februar 2008 habe ich den Recorder per HDMI an einem Flachbild des gleichen Herstellers angeschlossen, seitdem gingen die Probleme los.

Im Prinzip gibt es ja nur zwei mögliche Bildformate, nämlich 4:3 und 16:9. Dementsprechend simpel ist auch meine Anforderung an einen 16:9 Flachbild: 16:9 Sendungen sollen in 16:9 dargestellt werden, und 4:3 Sendungen im 4:3 Format, mit schwarzen Balken rechts und links. Von breitgezerrten Gesichtern oder abgeschnittenen Köpfen halte ich nämlich nichts. Schlimmer sind eignetlich nur noch die Zoom-Modi, die in der Mitte linear sind, und dann die Bildränder breitzerren, wie ein Falkplan, nur umgekehrt.

Auf meinem Flachbild habe ich das für's normale Fernsehen jetzt halbwegs im Griff, nachdem ich die Automatik ausgestellt habe. Eine Sonderstellung bilden im DVBT-Betrieb noch die Privatsender, die meistens in 4:3 senden, auch Kinofilme. Dann gibt es eben schwarze Balken nicht nur rechts und links, sondern auch noch oben und unten. Das nennt sich dann Letterboxformat. Ein Anruf bei der Technik des NDR bestägtigte diesen Sachverhalt.

Nun aber zum Recorder. Nach tagelangem Probieren war ich dann soweit, das obige Forderung erfüllt wurde, jedenfalls für das Programm, was der Recorder mit seinem Tuner gerade live empfängt. Am Flachbild muß dazu aber das Bildformat auf Auto gestellt sein, sonst funktioniert's nicht. Auf jeden Fall spielen da die Einstellungen

mit rein (Handbuch S. 67). Wie gesagt, das gilt aber nur für das gerade vom Recorder empfangene Programm. Die Aufnahmen sind ein anderes Thema:

Der Highspeed-Aufnahmemodus

Im Setupmenü gibt es unter Disk / Einstellungen für Aufnahme (Handbuch S. 65) einen ziemlich wichtigen Punkt, nämlich das "Aufnehmen für Highspeed-Kopieren (An/Aus)" sowie daran gekoppelt "Bildverhältnis für Aufnahme". Diese Einstellungen betreffen alle Sendungen, die auf die Festplatte aufgenommen werden. Auch wenn Sendungen später auf DVD archiviert werden sollen, kommt es auf die richtige Einstellung an.

Ich versuche es mal in Tabellenform klarzumachen:

Aufnehmen für Highspeed-Kopieren "An" Aufnehmen für Highspeed-Kopieren "Aus"
Wird diese Einstellung getroffen, passiert offensichtlich schon beim Aufnehmen eine Vorverarbeitung des Videomaterials, so daß der Rechenaufwand beim späteren Kopieren nicht mehr so hoch ist. In dieser Einstellung wird das DVBT-Material so aufgenommen, wie es empfangen wird.
Vorteile Vorteile
Das Brennen auf DVD geht schneller, aber nur wenn alle Einzelsendungen, die kopiert werden sollen, auch in diesem Modus aufgenommen wurden, und wenn nicht zuviel an dem Material nachträglich geschnitten wurde. Bei Sendungen mit Zweikanalton werden beide Kanäle aufgenommen. Bei der Wiedergabe kann die Sprache gewählt werden.
Beim Brennen auf DVD werden Kapitelmarken und Vorschaubilder von der Festplatte übernommen. Die Vorschaubilder sind die Bilder, die später im Hauptmenu der DVD angezeigt werden. Auf der Festplatte können sie bereits vor dem Kopieren festgelegt werden. Die Sendungen werden immer in ihrem ursprünglichen Seitenverhältnis aufgenommen und auch wiedergegeben
Aufnehmen und Wiedergeben von der Festplatte während des Kopierens möglich (nur beim "Fortgeschrittenen Kopieren")  
Nachteile Nachteile
Bei Sendungen mit Zweikanalton wird immer nur ein Tonkanal aufgenommen, d.h. die Sprache muß vor der Aufnahme eingestellt werden Das Brennen auf DVD dauert genau so lange wie das aufgenommene Material, d.h. bis zu 2 Stunden pro DVD im SP-Modus (Standard-Spielzeit)

Das Bildseitenverhältnis muß vor der Aufnahme festgelegt werden. Diese Einstellung befindet sich im Setupmenü und gilt generell, sie kann nicht pro Aufnahme eingestellt werden. Ich habe mich für 16:9 entschieden. 16:9 Sendungen werden dann korrekt wiedergegeben, 4:3 Sendungen werden breitgezerrt.

Entscheidet man sich für 4:3, werden 4:3 Sendungen korrekt wiedergegeben, und 16:9 Sendungen sehen unmöglich aus.

Die auf der Festplatte eingestellten Vorschaubilder für die einzelnen Aufnahmen gehen beim Brennen auf DVD verloren.

Workaround: Die Vorschaubilder können auf der DVD vor dem Finalisieren noch eingestellt werden, wenn "Kopieren ohne Finalisieren" gewählt wird.

  Aufnehmen und Wiedergeben von der Festplatte während des Kopierens ist nicht möglich

Der Standby-Verbrauch

Der im Prospekt angegebene Standby-Verbrauch von 2 Watt gilt nur, wenn im Setupmenü "Power Save" auf Ein und "Schnellstart" ausgeschaltet wird. (Durch das Einschalten der einen Option wird jeweils die andere deaktiviert, d.h. eigentlich ist eine von beiden überflüssig). Danach dauert das Einschalten bis zu einer Minute.

Im Schnellstartmodus schaltet das Gerät sofort ein, aber der Standby-Verbrauch liegt bei 16 Watt, bzw. bei 17 Watt für den größeren Bruder DMR-EX87. Im Auslieferzustand ist übrigens der Schnellstartmodus aktiviert. Wer das nicht umstellt, hat hier einen schönen Stromfresser im Regal.

Das Gerät kann keine Standbilder speichern

Ein Standbild ist nach meinem Verständnis ein Einzelbild aus einem Film. Mit der Pausetaste kann man eine Aufnahme anhalten und in Einzelbildern weiterschalten.

Das Wort "Standbild" kommt im Handbuch über 100 mal vor. Es wird auf zahlreichen Seiten beschrieben, was man alles mit Standbildern machen kann (editieren, kopieren usw.)

Also habe ich mir eine 2GB SD-Karte besorgt und in den Kartenslot eingesetzt. Mit der Anleitung zur Hand habe ich dann versucht, Standbilder zu speichern. Ergebnis: Das geht überhaupt nicht.

Der Anruf beim Support bestätigt das. Das Gerät kann nur mit solchen "Standbildern" arbeiten, die schon vorher auf die SD-Karte kopiert wurden. Im Prinzip also nur ein besserer Bildbetrachter. Warum schreiben die dann "Standbilder" und nicht "Fotos"?

Der freundliche Mitarbeiter war der Meinung, für das Speichern von Standbildern gebe es überhaupt keine Anwendung. Natürlich gibt es eine Menge Anwendungen dafür, z.B. wenn man Szenen aus einem Film als Hintergrundbild oder Bildschirmschoner möchte, oder um sich eine Zeichentrickfigur als Forenbild zuzulegen, oder man plant gerade einen Artikel über die Qualität von DVBT für seine Homepage und möchte den mit Bildern untermauern.

Der DVBT-Tuner ist schlechter als die DVBT-Tunern in Fernsehgeräten des gleichen Herstellers

Nachdem ich meine DVBT-Anlage eingemessen hatte, freute ich mich zunächst über eine Signalqualität von 10 (höchstmöglicher Wert) auf allen Kanälen meines Panasonic Flachbild. Dann fiel mir auf, daß die Aufnahmen des DMR-EX77 oft eine ziemlich schlechte Qualität hatten, mit Klötzchenbildung, Ruckelbildern und Tonaussetzern. Die Signalqualität am Recorder lag bei bestimmten Kanälen denn auch nur bei 5 bis 7, was mich doch sehr wunderte, da das Antennensignal wie bei Videorecordern üblich zuerst in den Recorder eingespeist wird und von da erst in den Fernseher:

Anschlußschema HF-Antenne

Ein Anruf beim Panasonic Support brachte auch hier Ernüchterung. Die DVBT-Tuner der Festplattenrecorder seien tatsächlich qualitativ nicht so hochwertig wie die der Panasonic Fernseher.

Wie doof ist das denn? Für mich unverständlich, warum hier an ein paar Euro gespart wurde. Was kostet eigentlich die Entwicklung eines schlechten DVBT-Tuners, wenn man vorher schon die Entwicklung eines guten DVBT-Tuners bezahlt hat (der, der im Flachbild eingebaut ist)?

Ein SCART-Kabel zusätzlich zum HDMI-Kabel wird nicht benötigt

In allen Anschlußbeispielen, die im Handbuch gezeigt werden, ist parallel zum HDMI-Kabel immer noch ein SCART-Kabel gezeigt. Das ist Unsinn. Ein schlankes HDMI-Kabel reicht vollkommen aus. Ein klobiges SCART-Kabel zusätzlich wird nicht benötigt. (Der Fernseher kann sowieso nur entweder auf den SCART-Eingang oder den HDMI-Eingang geschaltet werden). Die einzige Funktion, die ohne SCART-Kabel nicht geht, ist das sogenannte Direct-TV-Recording. Dabei soll der Recorder dann das Programm aufnehmen, was gerade am Fernseher läuft. Soweit ich weiß, wird dabei der Tuner des TV-Geräts benutzt, und der Recorder nimmt das Signal auf, was an seiner SCART-Buchse anliegt.

Eigentlich überflüssig, schließlich will man ja ein anderes Programm aufnehmen, und nicht das was man gerade sieht.

Die Festplatte und das Gebläse sind bei normalem Gebrauch unhörbar

Noch eine gute Nachricht zum Schluß. Entgegen anderer Testberichte sind Festplatte und Kühlgebläse bei normalem Gebrauch unhörbar. Normaler Gebrauch heißt dabei, der Recorder steht im Regal unter dem Fernseher, und man sitzt mindestens 2 Meter davon weg. Der Fernseher läuft, oder es sind sonstige normale Wohngeräusche zu hören.

Nur wenn man das Ohr direkt an das Gerät hält, hört man, daß es arbeitet, wobei dann das Lüftergeräusch überwiegt. Der Lüfter ist aber temperaturgeregelt und springt nur an, wenn auch die Festplatte arbeitet, also aufnimmt oder wiedergibt. Es ist absolut nicht störend.

Fernsehempfang während des Kopierens ist nicht möglich

Von Walter aus Hi. bekam ich diesen Hinweis. Laut meiner obigen Tabelle soll während des Highspeed-Kopierens gleichzeitige Aufnahme oder Wiedergabe von der Festplatte möglich sein. Das habe ich nie ausprobiert, da ich nicht im Highspeed-Kopieren-Modus aufnehme. Laut Walter ist außerdem während des Kopierens auch kein Fersehempfang möglich (bei einem ähnlichen Gerät mit SAT-Tuner). In der Bedienungsanleitung steht dazu nichts, und es gibt auch keinen Knopf dafür. Man kann sich nur die zu kopierende Sendung anschauen, sonst nichts.

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